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Nikolaus
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Der echte Nikolaus kommt aus Bari

Dieser aristokratische, prächtig geschmückte Herr auf dem Foto ist der Heilige Nikolaus. Wie Sie sehen, trägt er weder rote Kutte noch Rauschebart, sondern feinsten Seidendamast und Edelsteine. Und es kommt noch besser: Der Nikolaus ist Wahlitaliener. Er ist seit dem 9. Mai 1087 im Land, genauer gesagt, in Bari. Dort hat man ihm eine ehrwürdige Basilika erbaut. Die Gebeine des Heiligen ruhen in der Krypta, die elegante Statue, die normalerweise am Eingang steht, vertritt den Heiligen zu Repräsentationszwecken. San Nicola verlässt die Basilika in der Regel zweimal im Jahr: im Mai zur großen Festa di San Nicola, mit der man seine Ankunft in Bari feiert, und an seinem Gedenktag am 6. Dezember, wie überall in der christlichen Welt. Allerdings haben die Baresi ihre ganz eigenen Rituale.

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Fackelzug und heiße Schokolade vor Sonnenaufgang


Wenn sich die Baresi im Vorübergehen zurufen „Morgen ist San Nicola, wir sehen uns ganz früh!“, ist klar, was gemeint ist: Wer in Bari auf sich und seinen Santo Patrono hält, eilt am 6. Dezember lange vor Tagesanbruch zur Basilika. Zwar dauert das Nikolausfest in Bari den ganzen Tag, mit mehreren heiligen Messen, der symbolische Übergabe der Stadtschlüssel durch den Bürgermeister an den Heiligen und einer anschließenden abendlichen Prozession. Doch die Fiaccolata frühmorgens um fünf Uhr ist ein magischer Moment dieses Tages.

Die Fiaccolata nicolaiana ist keine alte christliche Tradition, aber sie ist Kult: ein Marathon-Fackellauf zu Ehren des Heiligen. Die „Runner“ und ihre Sportvereine haben sich das Ritual selbst ausgedacht und praktizieren es seit fast dreißig Jahren. Die Läufer starten von unterschiedlichen Punkten an der Peripherie der Stadt und laufen dann mit ihren Fackeln gemeinsam durch die Altstadt bis zum Vorplatz der Basilika. Dort erwarten sie die Timpanisti nicolaiani, eine Trommlergruppe, und die Fahnenwerfer, die in Bari fest zum traditionellen Festritus für den Nikolaus gehören. Dann geschieht der wohl magischste Moment dieser frühen Morgenstunde: Das hohe Portal der Basilika öffnet sich und die Statue des Heiligen wird feierlich herausgetragen, um dem Volk, und insbesondere den Läufern, den Segen zu erteilen. Danach beginnt die erste heilige Messe.Zu diesem Nikolaus-Ritual am frühen und meistens recht kalten Morgen gehört auch die heiße, dickflüssige Schokolade, die den Passanten von den Bewohnern von Bari Vecchia angeboten wird. Mit etwas Glück – sprich gutem Wetter - findet die frühmorgendliche Heiligenverehrung einen angemessenen Abschluss. Denn langsam geht die Sonne auf und der Blick von der Muraglia über das Meer und den Lungomare im frühen Morgenlicht ist überwältigend.

Wie so vieles derzeit ist diese Beschreibung ein Bericht aus der Vergangenheit: Corona hat auch dieses Fest verändert. Im letzten Jahr fand keine öffentliche Feier statt, 2021 wird der Ablauf coronakompatibel geändert. Die Runner kommen diesmal wieder, doch an einen weniger massenfreundlichen Ort und ohne die Schokolade. Der Vorplatz der Basilika ist gesperrt und wird mit einem stattlichen Aufgebot an Sicherheitskräften bewacht. Gewissermaßen zum Ausgleich gibt es einen riesigen bunten Weihnachtsbaumaus Luminarie. Er überragt die von Wladimir Putin gestiftete Nikolausstatue aus Bronze wie ein riesiger Heiligenschein.

So kam der Heilige Nikolaus nach Bari

Der heilige Nikolaus war Grieche, lebte im 4. Jahrhundert und wirkte als Bischof in Myra in der heutigen Türkei, wo er auch begraben wurde. Als nach der Besetzung von Myra durch die Seldschuken die Gefahr einer Grabschändung drohte, stachen, so die Legende, 62 tapfere Kauf- und Seeleute in See und brachten in einer abenteuerlichen Aktion die Gebeine des Heiligen von Myra nach Bari. Am 9. Mai 1087 gingen sie mit der Reliquie in ihrer Heimatstadt an Land. Seither wird an diesem Tag in Bari die Translation gefeiert. Sie ist der Höhepunkt der mehrtägigen Festa di San Nicola. Natürlich ist die Faktenlage zur Figur des heiligen Nikolaus und zu seiner Überbringung nach Bari nicht durchgängig belegt und auch die Venezianer erheben Anspruch auf den Heiligen.

Text und Fotos: Gabriele Hetterich