Interview mit Elena Bonelli
Anlässlich der Aufführung „Una notte italiana – Elena Bonelli, La Voce di Roma“ 22. März 2026
„La Voce di Roma“ ist mehr als nur eine Show: Es ist eine identitätsstiftende Erzählung. Was bedeutet es für Sie, die Seele Roms auf eine Bühne wie die in München zu bringen?
„La Voce di Roma“ nach München zu bringen, ist zunächst eine wunderbare Neuheit, da es das erste Mal in Deutschland aufgeführt wird. Gleichzeitig bedeutet es, ein kollektives Gedächtnis und eine Lebensart zu transportieren. Es lässt die römischen und italienischen Traditionen, die inzwischen verloren gegangen sind, wieder aufleben, weckt Erinnerungen, Emotionen und bringt zugleich die Schönheit des römischen Liedes näher. Wenn ich die Bühne betrete, spüre ich die Verantwortung, die Seele meiner Stadt einem internationalen Publikum zu erzählen, aber auch die Freude daran, zu zeigen, dass ihre Musik universell ist. Für mich ist es, als würde ich ein Stück Heimat in die Ferne tragen: Jedes Wort, jeder Ton ist ein Weg, zu sagen: „Das ist Rom, hört zu.“ Und wenn das Publikum aus allen Nationen, Altersgruppen und Sprachen das spürt, passiert etwas Magisches. Das ist mein Glück.
Sie gelten als Botschafterin des römischen Liedes in der Welt. Was entdeckt das deutsche Publikum an der römischen Kultur, was oft nicht einmal die Italiener kennen?
Das deutsche Publikum entdeckt zunächst, dass das römische Lied nicht nur Folklore, sondern eine Form des populären Theaters in Musik ist. Alle sind überrascht von der Tiefe der Texte, von der Ironie und den Geschichten, die unsere Lieder ausmachen: Geschichten von Straßen, Plätzen und alltäglichen Gefühlen. Und genau das beeindruckt das internationale Publikum: Sie erkennen, dass hinter einer scheinbar einfachen Melodie eine Welt voller Poesie und Menschlichkeit steckt. Und hinter jedem Lied erzähle ich von einem Rom, das sich von Jahrhundert zu Jahrhundert wandelt. Die Reise reicht vom ersten Lied bis in die Gegenwart. Da jedes Lied ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, erzählt die musikalische Reise von der Metamorphose Roms durch die Zeiten.
Im Programm verschmelzen Musik, Geschichte und Erinnerung. Wie wichtig ist es heute, Traditionen durch Kunst zu erzählen, besonders außerhalb Italiens?
Es ist heute genauso wichtig wie immer. Die Erinnerung daran, wer wir waren und wie wir gelebt haben, ist ein Thema, das viele interessiert, vor allem junge Menschen, die von den Geschichten zwischen den Liedern fasziniert sind, weil sie so eine unbekannte und zugleich faszinierende Welt entdecken.
Rom ist eine Stadt voller Stimmen, Dialekte und Gegensätze. Wenn Sie „die Stimme Roms“ in einer einzigen Emotion zusammenfassen müssten, welche wäre das?
Rom ist eine Stadt, die von Liebe, Leben und Schönheit singt, aber stets mit einem Hauch von Erinnerung, als trage jede Note das ewige Echo des Vergangenen in sich. Was begeistert, ist die Nostalgie. Genau das erzähle ich in meinen Liedern: eine wundervolle Zeit, nach der ich, und wir Römer, große Sehnsucht empfinden. Die Vergangenheit zu entdecken hilft, die Gegenwart zu verstehen.
Nach vielen internationalen Bühnen: Was überrascht Sie immer wieder, wenn Sie Rom fernab von Rom besingen?
Ich antworte mit einer Anekdote. In Japan, beim vierten Lied des Konzerts, „Barcarolo Romano“, stand das Publikum zu einer Standing Ovation auf. Und ich erzähle immer… Ich weiß nicht, was sie verstanden haben, aber sie hatten Tränen in den Augen. Wenn ich fernab der Heimat singe, denke ich oft, dass bestimmte Worte und Klänge des römischen Dialekts nur mit unserer Kultur verbunden sind. Und doch passiert etwas Außergewöhnliches: Das Publikum, auch wenn es nicht jedes Wort versteht, spürt die Seele. Ich sehe in den Augen der Menschen Emotionen, Nostalgie, ein Lächeln. Es ist, als würde die Musik eine unsichtbare Brücke zwischen Rom und der Welt bauen. Und die Begeisterung des Publikums, die sich nie von Land zu Land ändert, bleibt immer gleich: in Rom wie in New York, wie in Seoul. Ich hoffe sehr, dass München keine Ausnahme macht. Ich kann es kaum erwarten, im Deutschen Theater aufzutreten.
A. Denti




