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ItaliaQui: eine interkulturelle Plattform

Luisanna Fiorini und Daniela Di Benedetto präsentieren das Projekt ItaliaQui

Wie kam es zu dem Projekt Italia Qui? 

Luisanna Fiorini, Schulleiterin und ehemalige Leiterin des Schulbüros des italienischen Generalkonsulats in München: "Im Januar 2020 unterstützte mich Minister Enrico De Agostini bei meiner Initiative, alle an der Förderung der italienischen Sprache und Kultur in Bayern Interessierten zu einem Treffen zusammenzubringen, das er als 'Hirngewitter' bezeichnete, um Informationen zu sammeln und zu sehen, welche Aspekte am stärksten empfunden und geteilt werden. Die Notwendigkeit, eine kommunikative Synergie zu schaffen, ergab sich aus der Tatsache, dass es so viele Institutionen und öffentliche und private Einrichtungen gibt, die sich mit der italienischen Sprache und Kultur befassen, dass es aber an einer effizienten Kommunikation mangelt und der Gesamtüberblick für die Nutzer verloren geht. Es wurden Personen ausgewählt, die die verschiedenen Instanzen vertreten sollten, und es erschien mir selbstverständlich, Frau Di Benedetto als Präsidentin der Comites zu bitten, diese Arbeitsgruppe zu koordinieren".

Daniela Di Benedetto, Präsidentin der Com.It.Es. in München: "Ich bin der Schulleiterin Fiorini immer sehr dankbar gewesen, dass sie mich in dieses wichtige und ehrgeizige Projekt mich einbezogen hat. Ich muss sagen, dass der Beginn der Arbeit schwierig war und nicht von vornherein feststand. Vielleicht wurde dabei auch etwas typisch Italienisches deutlich, nämlich die Fähigkeit, das Unerwartete zu überwinden. Wir haben also mit der Arbeit begonnen, obwohl uns die Pandemie gleich nach dem "Hirngewitter" überrollt hatte. In Wirklichkeit hat sich unser Arbeitstisch, der die Plattform eingerichtet hat, noch nie physisch getroffen, aber er hat sich oft und auf sehr effiziente Weise online getroffen".

Was sind die Ziele des Projekts?

D. Di Benedetto: "Es handelt sich um ein Projekt, das darauf abzielt, viele Hindernisse zu überwinden, sicherlich das der Kommunikation, aber auch das der Klischees. Wir möchten über das Italien sprechen, das niemand erwartet, und dass dieses Italien in seiner Authentizität durch eine neue, frische, koordinierte und vor allem aktualisierte Form der Kommunikation hervortreten kann, die den Teamgeist zum Vorschein bringt, den es gibt, wie wir auch bei den letzten Europameisterschaften entdeckt haben, und der die Erfolgsformel ist, mehr als die Summe der Fähigkeiten und Kompetenzen jedes Einzelnen. Es ist auch derselbe Teamgeist, den wir an unserem Arbeitstisch beobachten konnten, der viele Fähigkeiten unter uns zum Vorschein bringt: die Verbesserung der Zusammenarbeit bringt viele Fortschritte, und das ist die Botschaft, die wir mit dieser Plattform vermitteln wollen".

L. Fiorini: "Die Inhalte wurden nach und nach angereichert. Einer der Hauptstränge betrifft die Förderung der italienischen Sprache und Kultur in Bildung und Ausbildung, d.h. das Angebot sowohl für italienische Emigranten als auch für italienische Residenten, vor allem aber für Deutsche, die sich der italienischen Sprache und auch Italien, Innovation und Kreativität nähern wollen. Ein Italien, das nicht nur, obwohl das schon ausreichen würde, aus Küche und Kunst besteht, sondern auch aus Wissenschaft, Technologie und Innovation. Hier in München haben wir zahlreiche Exzellenzen in diesem Sinne. Wir möchten also jungen Menschen ein anderes Italien vorstellen und das Stereotyp überwinden, das vor allem meine Generation begleitet: das Italien der Nachkriegszeit, das schöne Italien. Wir wollen den jungen Menschen, die für ihre berufliche Zukunft in italienische Sprachkenntnisse investieren wollen, ein Italien bieten, das ihnen näher ist"

D. Di Benedetto: "Es ist das Italien des Handels und des wissenschaftlichen Austauschs. Es gibt eine Reihe wichtiger industrieller, wirtschaftlicher, finanzieller und wissenschaftlicher Partnerschaften und Kooperationen zwischen Italien und Bayern, die durch diese Plattform gestärkt werden sollten. Wir wollen, dass diese Plattform zu einem Instrument wird, mit dem sich Italien in Bayern weiter entwickeln und sich so präsentieren kann, wie es ist, in seiner Authentizität. 

L. Fiorini: "Die Vielfalt der Perspektiven hat eine wichtige Rolle gespielt, denn am Arbeitstisch sitzen Vertreter von Verbänden, Vertreter von Universitäten, diesem Schulamtes, jemand, der die Stimme des Unternehmertums und der Innovation einbringt, und viele junge Leute. Eines der Ziele ist es, eine einzige Anlaufstelle für Informationen zu schaffen: Sehr oft finden Italiener, die nach Bayern kommen, Informationen, die jedoch sehr bruchstückhaft sind oder auf verschiedenen Websites zu finden sind". 

D. Di Benedetto: "Die Überwindung der Fragmentierung ist eines der Hauptziele unserer Plattform: alles mit drei Klicks zu finden, wobei wir uns auf die Quelle der Informationen selbst beziehen, die wir nicht ersetzen und nicht überflüssig machen wollen, sondern die wir in einer Reihe von Links hervorheben wollen, die zu einem vollständigen und stets aktuellen Gesamtbild des italienischen Geistes in Bayern führen".

Wieso ItaliaQui?

L. Fiorini: "Die Arbeitsgruppe hat viel über den Namen nachgedacht: Der Name ist wichtig, denn er vermittelt ein unmittelbares Bild der Botschaft, die wir vermitteln wollen, und wir haben uns für ItaliaQui entschieden". 

D. Di Benedetto: "ItaliaQui, mit einem Wort, direkt auf den Punkt gebracht. Direkt, weil es sich um ein Adverb handelt, das sich weder auf Zahlen noch auf das Geschlecht bezieht, sondern auf Bewegung, Forschung, Fleiß und Betriebsamkeit abzielt. Direkt auf den Punkt gebracht: direkt wie direkt, gut lesbar und assonant zur deutschen Sprache, und der Punkt, denn genau da wollen wir hin. Der Punkt ist einer, er ist eindeutig und er ist da. Wir haben es auch in unser Logo aufgenommen. 

Interviews
Interkulturelle Kommunikation IT-DE

Interview mit Donato Miroballi

Pädagogischer Fachberater, Dozent und Prüfer für Italienisch

Seit über 20 Jahren unterrichtet Donato Miroballi Italienisch und seit 15 Jahren ist er pädagogische Fachberater für den Verlag Klett Sprachen an Institutionen, die Sprachkurse für Erwachsene anbieten, wie Universitäten, Kulturinstituten, Volkshochschulen und Sprachschulen. Er hält Fortbildungen, didaktische und thematische Workshops, die sich an Lehrkräfte aller Sprachen, einschließlich Italienisch, richten. Er organisiert Konferenzen und trägt zur Erstellung von Lehrwerken bei.

1. Wie war Ihr Weg bis hierher?
Nach meinem Zivildienst in Italien habe ich zum ersten Mal Italienisch in Großbritannien und Irland unterrichtet. Später zog ich nach München, um Deutsch zu lernen. Hier habe zunächst weiter unterrichtet, Lehrmaterialien für verschiedene Verlage entwickelt und journalistisch zwischen Italien und Deutschland gearbeitet. Mein Studium der Soziologie, Kommunikationswissenschaften und Psychologie habe ich an der LMU München absolviert. Die Praxis des Unterrichts in Realitäten, die sehr unterschiedlich sind, wie universitäre Sprachlernzentren, Volkshochschulen, Sprachschulen, Unternehmen und Nachbarschaftsfamilienzentren, war ein großartiger beruflicher Ausbildungsplatz, auch fürs Leben. Zusammen mit anderen Lehrkräften habe ich 2010 den ADI (Verband der Italienischlehrkräfte in Deutschland) gegründet, dessen Mitglied ich auf Lebenszeit bin.

2. Wie haben Sie Deutsch gelernt?
Gleich nach meiner Ankunft habe ich konsequent versucht, vor allem mit Deutsch sprechenden Menschen in Kontakt zu treten, um möglichst schnell die Sprache zu beherrschen. Ich besuchte Deutschkurse in verschiedenen Institutionen und legte Prüfungen bis zur Hochschulzulassung ab. Diese waren anstrengende, aber sehr prägende Phasen. Diese Sprache im Erwachsenenalter ohne Vorkenntnisse zu lernen, war für mich eine große Herausforderung. In den ersten Monaten kam ich abends mit Kopfschmerzen nach Hause. Andererseits habe ich wertvolle Werkzeuge in Bezug auf Lerndynamiken, sich Hineinversetzen und Empathie entwickelt, um mich als Lehrer zu verbessern.

3. Was bedeutet es für Sie, im Ausland zu leben und zu arbeiten?
Als ich Italien verließ, konnte ich aus erster Hand sehen, was es bedeutet, an einem Ort zu sein, der einem nicht gehört. Nichts gehört mir, nur die Luft, meine Fähigkeiten und meine Träume. Fremdheit und Misstrauen sind nicht einfach. Aber sich solchen Phänomen zu stellen, ist eine wunderbare Möglichkeit zu wachsen und einen Mehrwert zu entwickeln, der von sich selbst ausgeht: weiterzugehen, mehr zu geben, sich selbst und anderen. Vor allem ist die Herausforderung mit sich selbst faszinierend. Die schwierigste Herausforderung aller Zeiten halt. Ich habe gelernt, mich nur auf meine Kraft zu verlassen und mich selbst zu motivieren. Das hat mich tief geprägt. Im Umgang mit Sprachen und Kulturen, auch mit anderen Arbeitskulturen, als meiner eigenen, wollte ich mich einbringen und alle Facetten meiner Sprache und Herkunftskultur vertiefen. Es ist, als ob man das eigene Zuhause von innen gesehen hat und es endlich von außen, vollständig und aus einer neuen Perspektive betrachten und verstehen kann. Mit diesen Elementen kann man viel machen. Wichtige Brücken können gebaut und Fortschritte gemacht werden.

4. Wie war die Annäherung an die deutsche Realität?
Die Anfänge als Student, Brotverdiener und junger Papa hier waren hart. Ich erlebte sie mit starker Fokussierung, konfrontiert mit einer unbekannten und komplexen Sprache, neuen Mentalitäten und langen Wintern. Dinge, die entmutigend sein können. Aber es gab Aspekte, die ich sofort geschätzt habe, wie z.B. sich mit dem Fahrrad durch die Stadt bewegen zu können, die Liebe der Deutschen zu Italien und den Kontakt mit Menschen aus aller Welt. Mit der Zeit habe ich hier mein Italien gefunden. Ein Italien aus Menschen aus ganz unterschiedlichen italienischen Regionen. Profis, Menschen mit großem Tatendrang und enormer Entschlossenheit. Zu diesem Italien gehören auch viele Deutsche und Menschen aus anderen Teilen der Welt, die ich auf meiner Reise kennengelernt habe, die unser Land schätzen und mit denen ich viel teile. Deutschland hat mir eine Chance gegeben und mich fachlich und menschlich geschätzt. Dafür bin ich sehr dankbar.

5. Wie fühlen Sie sich heute in Deutschland?
Nach über zwanzig Jahren in Deutschland und zwei Kindern, die in München aufgewachsen sind, bin ich glücklich, heute hier zu sein. Allein die Entscheidung, woanders hinzugehen, war für mich ein klarer Schritt in Richtung Veränderung und Erlösung. Es war inspirierend zu lernen sich anzupassen und die eigene Flexibilität zu trainieren. Und das ist es auch heute noch. Der Mensch hat das Bedürfnis, die Welt um ihn herum zu vereinfachen und dies geschieht mit vorgefertigten Kategorien, meist falsch wie Ethnien, Vorurteilen und Stereotypen. Alles vereinfachende, reduzierende und sogar unfaire Elemente, die aus der Notwendigkeit entstehen, sich durch Differenzen mit dem Nächsten zu definieren. Überwindet man Vorurteile, entdeckt man wie sehr man sich mit interkulturellen Kenntnissen und Fähigkeiten bereichern kann. So kann man viel besser leben. Am Anfang kostet es zweifelsohne mehr Aufwand, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Es ist nur eine Frage des Bewusstseins. Interkulturelles Bewusstsein. Im Grunde ist niemand immer und nur Teil einer Gruppe oder einer Typologie, auch nicht in mehr oder weniger homogenen Kontexten. Sich in keiner Kategorie einsperren zu lassen bietet eine Art Passierschein. Wenn ich mich von den Kategorien befreie und einfach ich selbst bin, mache ich auch jeden frei, den ich vor mir habe.

6. Was war Ihre interessanteste interkulturelle Erfahrung zwischen Italien und Deutschland?
Sicherlich die Realisierung kultureller, historischer und kulinarischer Reportagen während der Olympischen Winterspiele 2006 in meiner Heimatstadt Turin mit dem ersten deutschen Fernsehsender ARD. Es war fantastisch und sehr interessant, zusammen mit deutschen Fachleuten mehr oder weniger bekannte italienische Realitäten durch den Vergleich der Interpretationsperspektive vom Italienischen mit dem Deutschen zu entdecken. Eine Olympiade und den olympischen Geist zu Hause zu erleben ist eine sehr starke Emotion. Eineinhalb Monate lang habe ich intensiv im internationalen Medienzentrum des Lingotto gearbeitet, bei Filmaufnahmen und Interviews vor Ort, bei Kultur- und Sportveranstaltungen in einer magischen und friedlichen Atmosphäre interkultureller Gärung in ganz Italien. Alles durch ein sehr wertvolles Fenster, nämlich die Beobachtung, wie das Italienische in der Welt wahrgenommen und interpretiert wird und insbesondere von deutschen Kollegen, die mich bei sich haben wollten, um für die Authentizität der realisierten TV-Beiträge zu sorgen. Es waren unvergessliche Erlebnisse.

7. Was empfehlen Sie Menschen die den Ort wechseln?
Lernen zu wollen und nie damit aufzuhören. Sich zu öffnen und bei den ersten Schwierigkeiten nicht aufzugeben. Man kann viele sehr angenehme und erfüllende Momente erleben. Ich empfehle allen egal wie jung oder alt, Studien- und Arbeitserfahrungen im Ausland zu sammeln, um den persönlichen Horizont zu erweitern. Um zu sehen, dass es möglich ist, besser zu werden, mehr aus sich zu machen. Ich empfehle, sich selbst treu zu bleiben, sich aber einzubringen, um Vorurteile oder besser Vorurteile in beide Richtungen zu überwinden. Ich empfehle, es zu versuchen, um zu erfahren, dass es möglich ist, zu überraschen. Eines meiner Lieblingsexperimente ist es, Vorurteile außer Kraft zu setzen. Zum Beispiel, indem man mit derselben Präzision wie ein Deutscher oder sogar noch mehr arbeitet, pünktlicher ankommt als ein Schweizer und mit Fakten demonstriert, dass man als Italiener*in mit äußerster Korrektheit und Akribie agieren kann, ohne unbedingt auf die Freude am Leben zu verzichten. All dies ist möglich, während unserer Sinn für Schönheit, Spontanität und alle Eigenschaften, die die Welt an uns schätzt, erhalten bleiben! Als Italiener*in im Ausland wird man täglich zu Botschafter*in eines großartigen Landes mit einem einzigartigen, immensen und wunderbaren Kulturerbe, aber auch mit vielen Mängeln. Es liegt an uns, zu wählen, was wir übermitteln und es bewusst zu tun.

8. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Meine große Leidenschaft ist das Musizieren. Ich singe und spiele Gitarre bei Konzerten, musikalischen Lesungen, Theateraufführungen, auf der Straße, an ungewöhnlichen Orten, virtuell und anders. Ich praktiziere sehr gerne Yoga und fahre Rad. Mit dem Fahrrad bin ich mehrmals nach Italien gefahren. Zauberhaft! Ich liebe Fußball und spiele ihn mit den Jahren immer schlechter. Andererseits versuche ich, mein Spanisch zu verbessern.

9. Was bringen Sie von Ihren Auslands- und Deutschlanderfahrungen nach Italien?
Neue Denk- und Handlungsweisen, die miteinander interagieren. Alles eng verbunden mit den Sprachen der Orte, an denen ich lebte. In Großbritannien habe ich zum Beispiel gelernt, wie man den eigenen Kunden einen guten Service bietet und neue Kunden gewinnt. In Deutschland die Analysemethode. Aber auch wie man Konkretheit, Wesentlichkeit, Pragmatismus und Effektivität auf die Organisations- und Entscheidungsphasen der Arbeit anwenden kann. Und dann die Neugier auf Neues, eine Chance, sich ständig zu verbessern. Viele Ansätze, die sich miteinander integrieren und neue, anregende Perspektiven eröffnen. Ich trage in mir den Traum, dass jede/n Teil einer einzigen Einheit ist, wo immer wir sind. Schließlich ist die Welt eins. Das Leben nährt man mit Träumen.

10. Welche Bücher empfehlen Sie zum Italienisch- und Deutschlernen?
Italienisch sicherlich am besten mit Con piacere nuovo (Klett). Deutsch lehren und lernen effektiv mit Linie 1 (Klett) und Linie 1 Beruf (Klett). Eine angenehme Lektüre, die ich dazu empfehlen kann, ist "Non di solo amore" von Francesco Fioretti (Piemme-Verlag).