C’è molta speranza (ma nessuna per noi) di Nicola H. Cosentino
Das Gespräch wird von Piero Salabè geleitet
EINE UNTERSUCHUNG DES BEGEHRENS, EINE ANALYSE DER ÄNGSTE UNSERER ZEIT
Am Sonntag, den 26.4., um 14 Uhr wird beim ILfest das Buch von Nicola H. Cosentino C’è molta speranza (ma nessuna per noi) vorgestellt.
Das Gespräch leitet Piero Salabè, Italo-Deutscher, Lektor, Dichter und Romanautor, der den Sinn eines „reisenden“ Buches sofort auf den Punkt bringt:
„Wenn ein Buch in einer anderen Sprache ankommt, bedeutet das, dass es die Grenzen und die Selbstgefälligkeit jeder lokalen Kultur überschreitet, um sich der Welt zuzuwenden und einer universellen Botschaft nachzugehen.“
Ein Roman innerhalb (und jenseits) der Tendenzen der italienischen Gegenwartsliteratur
Das Thema des Festivals – „Wohin geht die italienische Literatur?“ – ist der perfekte Einstieg: Salabè liest den Roman als eine Ich-Erkundung, die sich der Welt öffnet, zwischen Autofiktion und essayistischer Erzählform. Im Zentrum steht das Begehren: eine einfache und radikale Frage, die jeden ansprechen kann. Salabè spricht von einer Schreibweise, die die Erforschung des Ichs als Kompass nutzt, sich aber nicht mit dem Selbstporträt begnügt: Hier wird das Ich zur Linse, um die Widersprüche der Gegenwart zu lesen, zwischen digitaler Isolation und innerer Suche.
In seiner Erzählung ist H – ein Kürzel, das an die Identität des Autors Nicola H. Cosentino erinnert – eine Art säkularer Beobachter: Er hört zu, fragt, durchquert. Es ist eine „Untersuchung des Begehrens“, die durch Begegnungen mit „Menschen aus den unterschiedlichsten Welten“ geführt wird – einer Nonne, einem Immobilienmakler, dem Besitzer eines marokkanischen Campingplatzes, Familienmitgliedern –, um „ihre Seele durch das Begehren zu ergründen“. So, betont Salabè, reiht sich das Buch in eine Erzähltradition ein, die das Ich nicht als Rückzugsort nutzt, sondern als Werkzeug, um „die kollektiven Dynamiken unserer Zeit“ zu entschlüsseln.
Das Begehren als Mangel: Was dem Leser bleibt
Nun richtet sich der Blick auf den Eindruck, den der Roman beim Leser hinterlässt: die zentralen Themen und das Echo, das bis zur letzten Seite nachhallt. Auch Salabès erste Reaktion als Leser – noch vor seiner Rolle als Moderator – setzt beim Kern des Werks an: das Begehren als Mangel und die typisch zeitgenössische Schwierigkeit, Leere nicht mit Konsum zu verwechseln.
„Das zentrale Thema ist das Begehren als ‚Mangel‘ in einer kapitalistischen Gesellschaft, die versucht, die Leere durch Konsum zu füllen“, sagt er. Mailand ist dabei kein neutraler Hintergrund: Es ist der Ort, an dem Freiheit und Modernität mit einer „konsumistischen Entfremdung“ koexistieren. Seine erste Reaktion, so erzählt Salabè, war „Staunen über die idealistische Reinheit der erzählenden Stimme“, die fähig ist, die Intimität anderer ohne Urteil zu ergründen, „um zu verstehen, was es heute bedeutet zu begehren“.
In diesem Gleichgewicht zwischen „heiterer Verzweiflung“ und der Pietät der Bindung erkennt Salabè eine ethische Geste: „Trotz der Angst existiert ein Engagement, das die Wüste – die existentielle Entfremdung – in einen ‚Garten‘ verwandeln kann.“
Außerhalb Italiens: Warum ein Buch vor internationalem Publikum präsentieren
An diesem Punkt tritt das ILfest nicht nur als Rahmen, sondern als Teil der Bedeutung in den Vordergrund: Ein Buch außerhalb Italiens vorzustellen, vor einem internationalen Publikum, bedeutet, sich mit anderen Lesern und Codes auseinanderzusetzen. Salabè betont einen entscheidenden Aspekt: Wenn ein Buch auf eine andere Sprache trifft, verändert sich auch die Art, wie es gehört wird.
Selbst wenn die Entfernung gering erscheint – „München liegt gleich um die Ecke“ –, bleiben die kulturellen Welten unterschiedlich. Gerade deshalb wird die direkte Begegnung mit dem Autor zu einer echten Erkenntnischance, jenseits von Marktlogiken und offiziellen „Delegationen“.
In diesem Sinne, fügt er hinzu, „liegt das Verdienst des ILfest gerade darin, originelle Stimmen vorzuschlagen, die oft fern der offiziellen Kreisläufe stehen“. Aus solchen Austauschen „entstehen Impulse, die das gegenseitige Verständnis fördern und den Raum literarischer Kreativität erweitern“. Ein Punkt, der laut Salabè auch Cosentino betrifft: ein Autor, der die Internationalität Mailands thematisiert und im Vergleich mit einer anderen kosmopolitischen Realität neue Resonanzen finden kann.
Eine Einladung zum Lesen
„Man sollte es lesen, weil es auf tiefgründige und zugleich leichte Weise – eine Leichtigkeit, die an Calvino erinnert – die grundlegende Frage jedes Lebens stellt: ‚Was will ich?‘“ Und das ohne Abkürzungen: keine einfachen Schlussfolgerungen, kein solipsistisches Selbstgefälligsein, sondern eine „präzise und solidarische“ Untersuchung der Ängste unserer Zeit.
Termin also beim ILfest für ein Treffen, das Gedanken (und Fragen) hinterlassen wird.
Arianna Denti




