Die Insel und die Zeit von Claudia Lanteri
die Veranstaltung wird von Simona Morani moderiert
EINE INSEL, EIN GEHEIMNIS, EINE BEUNRUHIGENDE ERINNERUNG
Die Bühne des ILfest 2026 wird die Präsentation von Die Insel und die Zeit von Claudia Lanteri beherbergen, einem Roman, der sich jeder eindeutigen Einordnung entzieht und den Kriminalroman in etwas Tieferes und Verstörenderes verwandelt. Das Gespräch wird von Simona Morani moderiert, die das Publikum in eine vielschichtige Erzählung begleitet, in der das Geheimnis nur die Oberfläche einer weit radikaleren Untersuchung ist.
Jenseits des Krimis: eine Sprache, eine Vision
„Wir haben mit den Begriffen Erinnerung, Vergessen und Begehren gearbeitet“, erklärt Morani und beschreibt, wie sich der Roman in die zeitgenössische Literaturlandschaft einfügt. Doch er tut dies auf alles andere als konventionelle Weise: „Hier ist die Ermittlung kein Ziel, sondern ein raffiniertes erzählerisches Mittel.“ Durch das Geheimnis wird der Leser an einen anderen Ort geführt: „in das Zentrum des Kindheitstraumas des Protagonisten Nonò, aber auch in die anthropologische Entwicklung einer Insel und ihrer Bewohner.“ Was alles noch eindrucksvoller macht, ist die Sprache: „eindrucksvoll, traumhaft, vielschichtig“, fähig, aus einem einzigartigen Wortschatz zu schöpfen, inspiriert von Linosa. „Dieses insulare, fast ursprüngliche Vokabular ist kein Selbstzweck, sondern eine bewusste Entscheidung: eine Sprache, die Erinnerung bewahrt – sowohl individuelle als auch kollektive.“
Ein Labyrinth zwischen Wahrheit und Illusion
Im Zentrum des Romans steht ein Zweifel, der den Leser nie verlässt: „Rekonstruiert Nonò eine objektive Vergangenheit, oder hat sein vom Trauma gezeichneter Geist eine parallele Realität erschaffen?“ Morani bezeichnet dies als ein echtes „psychologisches Labyrinth“, in dem die Suche nach Wahrheit untrennbar mit der Fragilität des Suchenden verbunden ist. Und was am Ende bleibt, ist mehr als nur eine Handlung: „das Bewusstsein, dass Erinnerung kein Archiv von Gewissheiten ist, sondern ein tiefes, geheimnisvolles Meer.“ Ein kraftvolles Bild, das den Leser auch nach der letzten Seite begleitet: das eines Meeresgrunds, in dem wir entscheiden, was verborgen bleiben und was ans Licht gebracht werden soll, im immer unvollständigen Versuch, dem Schmerz einen Sinn zu geben.
Wahrheit als Risiko
Es gibt zudem eine Unruhe, die das gesamte Buch durchzieht und stark in der Gegenwart widerhallt. „Die Zerbrechlichkeit des Zeugnisses und die Verantwortung gegenüber der Wahrheit“, betont Morani. In einer Zeit, die von „Post-Wahrheit“ geprägt ist, wird Nonòs Geschichte zu einem Spiegel: „Wie weit sind wir bereit, Fakten zu manipulieren, um unsere Identität zu schützen?“ Der Einsatz ist hoch, beinahe schwindelerregend: „Die Vergangenheit ist nie wirklich vergangen, solange wir nicht den Mut haben, sie ungefiltert zu betrachten.“ Das bedeutet auch, das größte Risiko zu akzeptieren: dass die Wahrheit die Gewissheiten, auf denen wir uns aufgebaut haben, erschüttern – oder sogar zerstören kann.
Die Insel als Schicksal
Und dann ist da noch die Insel, eine lebendige und entscheidende Präsenz im Roman. „Sie ist nicht nur ein Schauplatz: sie ist Mitprotagonistin“, sagt Morani. Ein Ort, geprägt von einer symbolischen Geografie: „auf der einen Seite das Festland, der Alltag; auf der anderen die Unterwasserwelt, die ein Geheimnis bewahrt.“ Vor allem aber ist die Insel ein existenzieller Zustand: „ein zeitliches Gefängnis, in dem sich Nonòs Leben im Kreis dreht, während sich die Welt draußen verändert.“ Diese Isolation wird noch verstärkt durch den Kontrast zu denen, die kommen und wieder gehen: „Touristen auf der Suche nach Schönheit und Migranten auf der Suche nach Rettung.“ Zwei entgegengesetzte Bewegungen, die die Insel zu einem Ort des Übergangs – und zugleich des erzwungenen Verbleibens machen.
Ein Grund, dabei zu sein
Mehr als eine einfache Präsentation verspricht dieses Treffen ein Eintauchen – in die Sprache, in die Erinnerung, in die unsichersten Bereiche der Identität. Eine Gelegenheit, sich in einen Roman führen zu lassen, der keine einfachen Antworten gibt, sondern notwendige Fragen stellt. Und der, wie jede Geschichte, die bleibt, auch nach dem Ende im Leser weiterwirkt.
Der Termin ist Samstag, der 25. April um 15:00 Uhr beim IlFest!
Valentina Pinton



