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<i> Mare Aperto </i> di Luca Misculin

Mare Aperto di Luca Misculin

Francesca Polistina wird das Gespräch leiten

EIN BUCH, UM DAS MITTELMEER ZU VERSTEHEN – ALS GRENZ- UND VERBINDUNGSRAUM

Am Sonntag, den 26. April, um 17 Uhr wird beim ILfest das Buch von Luca Misculin Mare aperto vorgestellt – ein kraftvoller und hochaktueller Bericht über das zentrale Mittelmeer, zwischen Geschichte, Gegenwart, Routen und Widersprüchen. Francesca Polistina wird das Gespräch moderieren und gibt in diesem Interview einen Vorgeschmack auf die zentralen Themen und warum es sich lohnt, dabei zu sein (und Misculin zu lesen).

Mare aperto und die Gegenwartsliteratur: ein weit ausholendes Essay-Reportagebuch

„Es ist ein Blick, der einem unter die Haut geht: Das Mittelmeer versteht man nur, wenn man den Rahmen erweitert“, sagt Francesca Polistina. Das Essay-Reportageformat ist auch in Italien etabliert (man denke – unter zeitgenössischen Autoren – etwa an die Werke von Paolo Rumiz). Mare aperto von Luca Misculin weist jedoch einige Besonderheiten gegenüber vielen Büchern desselben Genres auf, angefangen bei seiner weiten und langfristigen Perspektive – eine Perspektive, an die wir uns in Zeiten rasanter Digitalisierung ein wenig entwöhnt haben.

Um zu erklären, was das zentrale Mittelmeer ist – und was es war –, beginnt Misculin nämlich in der Steinzeit, also in einer sehr fernen Vergangenheit: Er führt uns nach Lampedusa, um die Sturmtaucher zu beobachten, nach Pantelleria, um Obsidian zu sammeln, zu den Ruinen von Karthago und dann Schritt für Schritt in die Gegenwart – ins faschistische Italien, auf Ölplattformen und auf die unterschiedlich großen und unterschiedlich stabilen Boote, mit denen Menschen sich bewegen, heute ebenso wie vor Tausenden von Jahren.

Sein Buch ist jedoch keine klassische historische Untersuchung, sondern ein Text, in dem sich Quellen aus der Vergangenheit, heutige Zeugnisse und Ortsbeschreibungen ständig miteinander verweben. Eine weitere Besonderheit ist die verwendete Sprache: klar, präzise, aber nicht kompliziert – wesentlich und niemals redundant. Wie die Moderatorin Francesca Polistina es zusammenfasst: „die Sprache von Il Post.“

 

 

 

 

<i> Mare Aperto </i> di Luca Misculin

Eine grundlegende Frage durchzieht das Buch: Was ist das Mittelmeer eigentlich wirklich? Und die Frage, die man sich beim Lesen stellt, ist: „Ist das Mittelmeer also gar nicht so, wie wir es uns immer vorgestellt haben?“, betont Polistina. Nur wenn man von der antiken Geschichte ausgeht und den Blick weitet, so erklärt Misculin, lässt sich dieses Meer in seinem wahren Wesen erfassen: ein Ort, der – je nach historischem Moment und Perspektive – Begegnung und Konflikt, Frieden und Krieg, Unterschiede und Integration, Grenze und Verbindung zugleich ist.

Das Mittelmeer ist weder das symbolische Reich der Brüderlichkeit, „in dem Menschen in Not immer gerettet wurden“, noch ist es einfach „nostrum“. Vielmehr ist das Mittelmeer ein „Meer der Möglichkeiten“, reich an Geschichte und zugleich voller Widersprüche. Laut Misculin liegt es an uns zu entscheiden, von welcher seiner vielen Seiten wir uns inspirieren lassen, um die Beziehungen der Gegenwart zu gestalten.

Der Ursprung des Projekts und der erste Impuls

Dieses Buch steht sicherlich in Verbindung mit dem Podcast La nave von Il Post, bestehend aus 12 Folgen, geschrieben und produziert von Misculin an Bord der Geo Barents, dem Schiff von Ärzte ohne Grenzen im Mittelmeer. Im Podcast, den Polistina „wärmstens empfiehlt“, wird aus nächster Nähe der Ablauf einer Mission geschildert: von der Zusammensetzung der Crew über das oft zermürbende Warten auf einen Einsatz bis hin zur eigentlichen Rettungsaktion. Misculin beleuchtet dabei wenig erzählte Aspekte der Arbeit von NGOs, indem er sich auf die technischen und organisatorischen Seiten konzentriert, die für den Erfolg jeder Mission notwendig sind, ohne dabei Menschlichkeit und große Empathie außer Acht zu lassen.

Warum man es lesen sollte: ein Satz als Einladung

„Es ist ein Buch, das einen packt und zum Nachdenken bringt: Es reiht die Fakten ohne Abkürzungen aneinander“, sagt Francesca Polistina. Mare aperto ist ein fesselndes, zugleich reflektiertes und lehrreiches Buch, das die Leserinnen und Leser dazu einlädt, die Zusammenhänge zu erkennen und der Komplexität nicht auszuweichen.

„Wenn ihr dieses Meer wirklich verstehen wollt, sehen wir uns beim Fest“, sagt Francesca Polistina.

Kommt also, um Luca Misculin kennenzulernen und das Gespräch live zu verfolgen!

Arianna Denti